06.05.2011
von Hans Gäng

Alfred Goll: Wie Festo weltweit “Employer of Choice” bleiben will

Festo in Esslingen und weltweit – ein Arbeitgeber der Spitzenklasse. Und doch nicht verschont – weder von der demographischen Entwicklung noch vom weltweiten Wettbewerb um Ingenieure. Personalvorstand Alfred Goll erklärte im Interview zur Hannover Messe 2011 , wie das Unternehmen mit dieser Herausforderung umgeht.

Dr. Alfred Goll

Dr. Alfred Goll Bild:FESTO

Spüren Sie in Deutschland, dass der “War of Talents” schärfer geworden ist?

Wir spüren, dass der „War for Talents“ schärfer geworden ist, insbesondere im Bereich der Spezialisten und Ingenieure. Nach wie vor können wir alle Stellen besetzen, allerdings hat sich die Besetzungszeit bei den oben genannten Gruppen verlängert. In diesem Zusammenhang merken wir auch sehr deutlich, wie wichtig die Positionierung der Marke Festo auf dem Arbeitsmarkt ist.

Die Wirtschaft wächst wieder, Festo ganz besonders. Welche Konsequenzen hat das für die Beschäftigung im In- und Ausland?

In 2008/2009 sind wir sehr schnell und unerwartet in die Rezession eingetreten, genauso schnell sind wir aber aus dem Rezessionstal wieder herausgekommen. Erwähnenswert ist, dass wir in Deutschland nicht mit betriebsbedingten Entlassungen reagierten, sondern sehr schnell vornehmlich Instrumente wie Kurzarbeit und den Tarifvertrag Beschäftigungssicherung nutzten. Diese Strategie hat uns befähigt, im Wirtschaftsaufschwung sehr schnell auf Kundennachfragen reagieren zu können, welches sich auch auf das Beschäftigungswachstum im In- und Ausland niederschlägt. In diesem Jahr werden wir unseren weltweiten Beschäftigungshöchststand, den wir im Jahre 2008 erreicht haben, voraussichtlich übertreffen.

Wie geht man bei Festo mit der Herausforderung der demografischen Entwicklung um?

A: Wir beschäftigen uns seit längerer Zeit mit dem Thema der demografischen Entwicklung und konnten durch einen Preis des Bundeswirtschaftsministers bereits im Jahr 2007 beweisen, dass wir uns dieser Problemstellung pro-aktiv auf breiter Basis widmen. Die Hauptherausforderung sehen wir bei den so genannten MINT-Berufen. Hierauf reagieren wir mit einem Bündel an unterschiedlichen Maßnahmen: Corporate HR-Strategie/Talent Management, Festo Kultur und Werte, Employer Branding, Personal-und Hochschulmarketing, Wissensmanagement, Ausbildung, Weiterbildung/Qualifizierung, Gesundheitsmanagement und Work-Life-Balance.

Damit zählen Sie in Deutschland zu den beliebtesten Arbeitgebern. Wie kommunizieren Sie diese Bewertung an ausländische Bewerber?

Hier möchte ich Ihnen teilweise widersprechen: Wir zählen nicht nur in Deutschland zu den beliebtesten Arbeitgebern, sondern auch in Europa. Wir nehmen an verschiedenen Beliebtheitsstudien teil und kommunizieren dies aktiv mit verschiedenen Werbemaßnahmen in den Arbeitsmarkt. Dazu möchte ich Ihnen aufgrund der Aktualität zwei Beispiele nennen: In der Niederlande gehören wir entsprechend „Great Place to Work“ zu den beliebtesten Arbeitgebern und in Bulgarien zählen wir ebenfalls seit diesem Jahr zu den „Preferred Employer“. Darüber hinaus gibt es auch in anderen Ländern eine Vielzahl von Aktivitäten zum Beispiel in der Form, dass wir im Rahmen des Personalmarketings im In- und Ausland Zielhochschulen definieren, an denen wir fokussiert Studierende ansprechen. Für Festo wird es aufgrund der globalen Herausforderung immer wichtiger, sich international als „Employer of Choice“ zu positionieren.

Was tut Festo, um Talente nicht nur zu finden, sondern auch zu binden und zu entwickeln?

Talent Management ist ein zentrales Thema unserer internationalen Human Resources Strategie und steht auch im Fokus der Personalarbeit für die kommenden Jahre. Aufbauend auf einem international strukturierten Personalprozess identifizieren wir weltweit unsere Talente und verbinden dies mit Maßnahmen der Talententwicklung, also dem Angebot herausfordernder Aufgaben, der Versetzung auf neue Positionen, etc. Auch bis hin zu Fragen bezüglich Steigerung der finanziellen Attraktivität. Unser Ziel ist es, dass die Talente einen Mehrwert für sich und ihre Möglichkeiten innerhalb des Unternehmens erkennen.

Gibt es eine Festo Unternehmenskultur, die über die nationalen und kulturellen Grenzen hinweg kommuniziert und praktiziert werden kann?

Festo als Familienunternehmen besitzt eine ausgeprägte Unternehmenskultur, bei der langfristige Orientierung und Innovation – aber auch die Erkenntnis, dass wir uns durch unsere Mitarbeiter von Wettbewerbern differenzieren – eine besondere Rolle spielen. Kontinuierlich führen wir weltweit Mitarbeiterbefragungen durch und setzen anschließend Maßnahmen auf, mit denen wir unsere Kultur nicht nur kommunizieren, sondern stetig weiter entwickeln. Wir sehen auch gerade darin ein Differenzierungsmerkmal, das Festo von anderen Unternehmen unterscheidet und auch erfolgreich macht.

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