Dienstleistungen gefragt

 

Das ungarische IT-Marktvolumen war 2012 rückläufig. Vor allem Dienstleistungen in diesem Bereich können aber auf eine Belebung hoffen. Chancen ergeben sich durch anstehende Investitionsprojekte. Im Gesamtranking der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des IT-Sektors liegt Ungarn in der Region knapp hinter Slowenien.

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Text: Erika Anders-Clever, Budapest, GTAI

Der rund dreiprozentige Rückgang des IT-Marktvolumens 2012 in Ungarn resultierte vor allem aus dem Rückgang der realen Haushaltseinkommen sowie aus den Sondersteuern auf den Finanz- und Energiesektor sowie auf die Einzelhandels- und Telekomsparte. Dies hat die Ertragslage in Mitleidenschaft gezogen. Die Voraussetzungen für Investitionen haben sich zudem wegen der Kreditklemme verschlechtert. Ende 2012 zeichnete sich aber für größere IT-Dienstleistungsaufträge eine leichte Belebung ab. Die Sparte hatte 2012 ein Marktvolumen von insgesamt annähernd 900 Mio. US-Dollar. Sie soll laut Prognosen der IDC-Marktbeobachter (International Data Corporation) bis 2016 um 15% wachsen.

IT-Dienstleister hatten zuletzt die Ausgabenkürzungen im öffentlichen Dienst besonders zu spüren bekommen. Hier gibt es einen großen Nachholbedarf, und ab 2013 wird auf Basis des verstärkten Einsatzes von EU-Fördermitteln eine Belebung erwartet. Der öffentliche Dienst war 2011 mit gut 20% größter Besteller gefolgt von der Telekomsparte (18%) und von den Banken (17%). Im Zuge erwarteter Bankenfusionen und zur Erfüllung internationaler Vorgaben wie etwa Basel III wird der Finanzsektor auch verstärkt in Software investieren müssen. Zu den großen Software-Kunden gehören zudem Shared Service Center, die zur Zentralisierung von Dienstleistungsprozessen multinationaler Unternehmen zahlreich eingerichtet worden sind. Das Marktvolumen für Software liegt seit 2010 wieder bei mehr als 600 Mio. US-Dollar jährlich.

Wettbewerbsfähigkeits-Index für den IT-Sektor (2011)

Ungarn Slowenien Tschechien Slowakei
Gesamtindex 45,5 48,8 46,1 42,1
.geschäftliche Rahmenbedingungen 79,1 67,8 77,3 77,1
.IT-Infrastruktur 39,0 41,2 45,8 36,4
.Humankapital 44,6 45,9 43,0 37,5
.F&E-Rahmenbedingungen 23,1 29,1 20,4 19,1
.gesetzliche Rahmenbedingungen 67,5 73,0 71,0 69,5
.Unterstützung für IT-Industrie 55,2 66,7 56,4 52,6

Anmerkung: Auf Rang 1 liegen die USA mit einem Gesamtindex von 80,5

Quelle: EIU (London)

Outsourcing wird wichtiger

IT-Outsourcing ist in Ungarn – als Teil der Dienstleistungssparte – vergleichsweise gut entwickelt. 2012 belief sich das Marktvolumen auf 275 Mio. US-Dollar; bis 2016 soll es um 17% wachsen. Der Hardware-Absatz dürfte sich ab 2013 wieder erhöhen. 2012 lag das Marktvolumen bei annähernd 1,3 Mrd. US-Dollar. Zuletzt wurden jährlich wieder über 600.000 Desktop PC und Notebooks verkauft; hier hatte es 2009 bei den Desktops einen markanten Absatzeinbruch gegeben. Nach Analysen von PAC (Pierre Audoin Consultants) ist es bei der Nachfrage des Privatsektors 2010/11 zu einer Bodenbildung gekommen.

In der Produktion ist vor allem Lenovo (VR China) engagiert, und zwar über Vertragsfertigung durch Flextronics (USA/Singapur). Hergestellt werden PC und Server; Notebooks sollen auf mittlere Sicht das Sortiment erweitern. Im 2009 fertiggestellten Flextronics-Werk in Sárvár (Westungarn) ist eine der weltweit größten Fertigungsstätten für PC installiert. PC und Notebooks werden ferner von der ungarischen Albacomp-Gruppe geliefert. Samsung stellt in Ungarn Drucker und Monitore her.

Bei IT-Services steht IBM mit seinem Engagement und knapp 3.000 Beschäftigten in Ungarn an der Spitze. Daneben sind von den internationalen Anbietern EDS Hewlett Packard und Siemens sowie unter anderem Satyam (Indien) engagiert. Die inländische Synergon konnte sich am Markt behaupten, und zwar vor allem im Sektor der Systemintegration. In der Softwaresparte sind die beiden bedeutenden ungarischen Anbieter Graphisoft und Recognita von ausländischen Unternehmen übernommen worden. Ericsson, SAP und Siemens betreiben in Budapest größere Software-Entwicklungszentren. Vodafone erwägt laut Marktbeobachtern, sein IT-Entwicklungszentrum in die Region zu verlegen, wobei Rumänien und Ungarn in der engeren Wahl stehen sollen.

Chancen im öffentlichen Sektor

Regelmäßig größere Aufträge werden im öffentlichen Sektor von der Finanzverwaltung und im Gesundheitswesen vergeben. Die letzte Vergaberunde Ende 2012 lautete auf die Bestellung von 3.100 PC, 4.200 Monitoren und 1.100 Laptops für die Steuerämter. Im Gesundheitswesen steht der Übergang zum E-Health-System an. 2012 wurde noch mit Startschwierigkeiten gekämpft. Der Aktionsplan für die digitale Erneuerung des Sektors liegt aber inzwischen vor. IT-Lösungen sind im Gesundheitssektor bisher nur dezentral bei den einzelnen Dienstleistern zu finden. Als erstes sollen nun im Rahmen eines Pilotprojektes die Dateien der verschiedenen Dienstleister (Krankenhäuser, Ambulanzen, Amtsärzte) zusammengefasst werden, um die Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen und Auslastung der Kapazitäten abgleichen zu können. Zur Finanzierung von E-Health-Systemen stehen Ungarn EU-Fördermittel zur Verfügung, die jährlich bei 17 Mio. bis 18 Mio. Euro liegen.

Zu den kommenden Großinvestitionen soll schon bis Mitte 2013 die Installation eines elektronischen Autobahn-Mautsystems gehören. Das Projekt wird neuerdings unter Federführung der staatlichen Autobahngesellschaft ÁAK durchgeführt. ÁAK soll sich bei den österreichischen Unternehmen Kapsch und Strabag sowie bei Continental bereits wegen Zulieferungen erkundigt haben. Für die Integration des Lkw-Maut-Systems in das IT-System der ungarischen Finanzverwaltung ist die staatliche ungarische Gesellschaft Pillér im Gespräch, die die Software für die Steuerbehörde entwickelt hat.

Eine Fülle kleinerer Aufträge wird sich in Ungarn aus einer Gesetzesänderung ergeben, gemäß der alle Registrierkassen 2013 „online“ mit Steuer- und Zollämtern verbunden sein müssen. Es steht die Beschaffung neuer Software sowie neuer Modems an, aber auch der Kauf neuer Kassen. Die Zahl der landesweit betroffenen Registrierkassen wird auf 400.000 geschätzt.

Das Wachstum des gesamten IKT-Sektors wird vom Wirtschaftsforschungsinstitut GKI, Budapest, für 2013 auf real 1% veranschlagt (nach 4% im Vorjahr). In der Telekomsparte ist 2011 und 2012 die Zahl der Mobilfunknutzer leicht gesunken. Die Zahl der registrierten Nutzer – auch Prepaidkarten-Inhaber – belief sich im 3. Quartal 2012 auf 11,5 Mio. und damit auf 116 pro 100 Einwohner. Die Mobilfunk-Marktdurchdringung war demnach vier Mal höher als für Festnetzanschlüsse (29 auf 100 Einwohner). Die Zahl der Breitband DSL-, Kabel- und LAN-Glasfaseranschlüsse summierte sich Mitte 2012 auf 2,12 Mio. Die Internetzugangsdichte lag 2011 bei 65% aller Privathaushalte – im Vergleich zu 73% in Slowenien. Nur 4% der Haushalte hatten noch Internetzugang über Modem oder ISDN.

 

 

 

 

 

Text : - 5 Mar 2013
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