11.11.2013
von Hans Gäng

Jürgen Friedrich: Gesundheit und Dienstleistungen – die neuen Exportschlager?

Dr.Benno Bunse - Erster GF , Dr.Jürgen Friedrich GFEine spannende Entwicklung findet derzeit im Bereich der Gesundheitswirtschaft statt. Der Anteil der Weltbevölkerung steigt und damit auch der Bedarf an Gesundheitsdienstleistungen. Während europäische Staaten derzeit sparen, wächst die Nachfrage in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Um nur einige Zahlen zu nennen:

 

In China ist die Nachfrage nach Arzneimitteln 2012 um 30 Prozent gestiegen, in Indonesien dürfte der Markt für Medizintechnik in den nächsten Jahren um 10 bis 12 Prozent wachsen und in Brasilien und Kolumbien sind die Gesundheitsausgaben vergangenes Jahr stärker als das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gewachsen.

In vielen dieser Regionen ist die deutsche Gesundheitswirtschaft bereits erfolgreich vertreten. So war Deutschland in Brasilien auch 2012 erneut das zweitwichtigste Lieferland von Medizintechnik. Auch Russland ist ein vielversprechender Abnehmer von deutschen Erzeugnissen der Gesundheitswirtschaft, liegt die Importquote aufgrund des Modernisierungsbedarfes doch zwischen 80 und 100 Prozent.

Am Beispiel Russland wird jedoch auch deutlich, wie wichtig es ist, sich fortlaufend über die Entwicklungen von Absatzmärkten zu informieren.

Erst kürzlich sorgte das jüngste WTO-Mitglied mit protektionistischen Maßnahmen für Aufsehen. Ende 2011 hat Germany Trade & Invest (GTAI) eine Art Frühwarnsystem für Russland etabliert: Unsere Experten beschäftigen sich intensiv mit in Russland geplanten Gesetzen, die den Gesundheitsmarkt betreffen. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen ist es überaus wichtig zu erfahren, auf was für Veränderungen sie sich einstellen müssen. Dies selbst im Blick zu behalten, übersteigt jedoch deren Kapazitäten.

So könnte eine momentan geplante Gesetzesinitiative der russischen Regierung das Russlandgeschäft von zahlreichen ausländischen Unternehmen gefährden. Unsere Experten behalten die Entwicklungen im Auge. Mit seinem Auslandsnetz ist Germany Trade & Invest (GTAI) mit mehr als 60 Auslandsmitarbeitern in den wichtigsten Märkten der Welt vertreten. In regelmäßigen Abständen erstellen unsere Experten Marktberichte zu einzelnen Branchen, darunter auch zur Medizintechnik. Die Themen Recht, Steuern und Zoll gehören ebenfalls zum Informationsangebot der GTAI. Abgerundet wird das Angebot durch unsere internationale Projekt- und Ausschreibungsdatenbank, über die Unternehmer konkrete Geschäftschancen nach Wunschregionen sichten können.

Ein weiterer Schwerpunkt des 10. Außenwirtschaftstages in Bremen ist das Thema Dienstleistungsexport. Um Dienstleistungen im Ausland zu erbringen, ist es häufig notwendig, Arbeitnehmer zu entsenden. Mit Länderberichten zum Thema „Dienstleistungen erbringen in…“ bietet Germany Trade & Invest die nötigen Informationen rund um das Thema Entsendung von Mitarbeitern bei grenzüberschreitender Dienstleistungserbringung. Momentan gibt es aktuelle Berichte zu China, USA, Kanada und Frankreich.

Das Angebot soll sukzessive erweitert werden. Die Dienstleistungsbranche trägt mit mehr als 68 Prozent den Hauptteil zur wirtschaftlichen Leistung Deutschlands bei. Erstaunlich gut hat sich zugleich auch die Entwicklung von Dienstleistungsexporten entwickelt. So hat sich der Gesamtwert aller exportierten Dienstleistungen 2012 mit rund 190 Milliarden Euro verglichen mit 2001 mehr als verdreifacht. Auch im weltweiten Vergleich steht Deutschland sehr gut da. Nur die USA und Großbritannien konnten letztes Jahr mehr Dienstleistungen als die Bundesrepublik exportieren. Deutschland ist eine klassische Exportnation, der Anteil exportierter Dienstleistungen am Bruttoinlandsprodukt fiel letztes Jahr mit 7,5 Prozent auf den ersten Blick verhältnismäßig gering aus.Doch selbst in den USA, die beim Dienstleistungsexport führend sind, lag der Anteil am BIP bei weniger als 4 Prozent.

Ungeachtet der Zahlenspiele lässt sich erkennen, dass die Trendkurve im Bereich Dienstleistungsexport nach oben zeigt. Auch Dienstleistungen „Made in Germany“ sind auf dem besten Weg, sich zu einem Exportschlager zu entwickeln. Sei es das Handwerk, Bildung oder technisches Know-how: Es wäre nicht überraschend, wenn der betreffende BIP-Anteil in den nächsten Jahren die zweistellige Prozentmarke knacken würde.

Ein Beitrag von Dr. Jürgen Friedrich,Geschäftsführer von Germany Trade & Invest

Main Menu