03.06.2015
von Hans Gäng

LEWA: „Es ist alles Brain, was wir draußen haben“

Der Leonberger Pumpen- und Systemhersteller LEWA hat sein weltweites Geschäft diversifiziert und mit Engineering-Services seine Wertschöpfung in der Öl- und Gasindustrie erweitert. Damit sieht sich LEWA auch für stürmische Entwicklungen auf internationalen Märkten gewappnet. Indien ist auch für LEWA ein spannendes Thema

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Direkt an der Hafenmauer in Singapur steht es: 21 auf 20 Meter, 11 Meter hoch, 715 Tonnen schwer. Ein Chemical Injection Modul, der ganze Stolz des schwäbischen Unternehmens, das im Verbund mit dem japanischen Nikkiso-Konzern arbeitet. Die Anlage – gemeinsam mit lokalen Partnern geplant und montiert – ist mit Pumpsystemen und -komponenten „Made In Germany“ vollgestopft.

Am heimischen Standort in Leonberg wäre für die Montage auch kein Platz gewesen – trotz der baulichen Expansion von LEWA auf und um sein angestammtes Firmengelände am Rande eines Landschaftschutz- und Wohngebiets in Leonberg. Der Hidden Champion wurde 2014 von Baden-Württembergs Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid mit dem Global Connect Award als besonders erfolgreiches Exportunternehmen geehrt.

Nur zehn Prozent des Umsatzes macht LEWA in Deutschland. Sein auch 2014 stark gewachsenes Auslandsgeschäft macht LEWA vor allem im Öl- und Gasbereich – weltweit. Das Unternehmen unterscheidet dabei nach „Upstream“ und „Downstream“. Im Upstream, dem Bereich der Extraktion, sind superkompakte LEWA-Pumpsysteme auf fast allen Bohrinseln der Welt im Einsatz oder genügen in texanischer und arabischer Gluthitze höchsten Anforderungen an Zuverlässigkeit und Material.

EPC aus einer Hand:  Engineering – Procurement – Construction 

Im Downstream, der Verarbeitung von Öl in den Raffinerien und den Großanlagen der chemischen Industrie, setzt LEWA auf die Kooperation mit den globalen EPC-Players – Unternehmen, die den großen Endkunden aus der Öl- oder Chemieindustrie Engineering-Procurement-Construction aus einer Hand liefern – schlüsselfertige und hochmoderne Großanlagen, in denen LEWA-Komponenten schon bei der ersten Planung Berücksichtigung finden.

„Creating Fluid Solutions“ – der Claim der Leonberger beschreibt die strategische Zielsetzung. Einerseits soll das angestammte und stärker standardisierte Geschäft mit hochwertigen Dosier- und Prozess-Membranpumpen weltweit ausgebaut werden. Andererseits ist bereits dieses Kerngeschäft sehr stark wissensbasiert und lebt vom souveränen Umgang mit der Vielfältigkeit der technischen Spezifikationen einer weltweiten Kundschaft. „Rein vom Lagerregal herunter verkaufen wir hier nichts“, formuliert Geschäftsführer Stefan Glasmeyer.

Dies gilt erst recht für das in den letzten Jahren stark erweiterte Systemgeschäft der Leonberger. Aus dem weltweit und systematisch gesammelten Wissen um Prozesse und Kundenspezifikationen hat LEWA ein nachhaltiges Geschäftsmodell entwickelt: Besser als die Kunden zu verstehen, wie Lösungen in den komplexen industriellen Prozessen aussehen können, wie diese ausgerüstet, realisiert und optimiert werden können – das ist der Ansatz, mit dem sich LEWA zum Technologieführer und als Partner unentbehrlich gemacht hat.

In sogenannten Hubs – die weltweit von Leonberg koordiniert werden – bringt LEWA das gesamte Wissen schon in die Planungsprozesse seiner internationalen Kunden ein. „Es ist alles Brain, was da draußen sitzt“, beschreibt Stefan Glasmeyer die weltweite Präsenz des Unternehmens. Planung, Montage der Hardware, Tests, Inbetriebnahme von Anlagen sind die ergänzenden Elemente der Wertschöpfung, zusätzlich zur Lieferung von fertigen Systemen und Komponenten. So wächst bei LEWA auch lokal in Nahost, Singapur, Nordamerika und sogar im europäischen Industrieland Italien.

“Geographisch stark diversifiziert”

Global aufgestellt, fürchtet sich Glasmeyer auch nicht zu sehr vor den Herausforderungen eines sehr stürmischen Marktumfelds der Öl- und Gasindustrie. „Den niedrigen Ölpreis spüren wir natürlich schon“ berichtet er. „Aber einerseits ist LEWA geographisch stark diversifiziert und hat einseitige Abhängigkeiten immer schon vermieden.“ Andererseits sieht Glasmeyer die großen Investitionsentscheidungen in Texas, in China und am Golf auch nicht innerhalb kurzer Zeit revidiert. „Da wird jetzt vieles mit langfristiger Perspektive weiter durchgezogen.“ LEWA hat einen starken Auftragsbestand. Und in der Prozessindustrie weltweit ergeben sich gerade durch den gesunken Ölpreis und neue Anlagen zur Verarbeitung des günstiger gewordenen schwarzen Golds viele neue Chancen. Auch in den „Clean Markets“ etwa der Pharmaindustrie sieht LEWA noch sehr viel Spielraum für die kombinierte Vermarktung von Know-how und Pumpen-Technologie „Made in Leonberg.“

Als Aussteller der HANNOVER MESSE sieht Glasmeyer auch das Partnerland Indien mit großem Interesse. „Wenn sich Indiens dynamische Industrieunternehmen in den globalen Wertschöpfungsketten neu positionieren wollen, werden sie sicher auch in beste Herstellungstechnologien investieren. Das schafft Raum für neue Partnerschaften“.

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