07.03.2017
von Gaby Henze und Sergej Butkow

Russland für Einsteiger (1): Arbeitsalltag

Mike Kononov | Moscow City Towers, Moskva, Russia

Sprache und Anrede
Schlagen Sie sich im russischen Alltag auch ohne Sprachkenntnisse durch, so ist das beim Arbeiten kaum möglich. Nur ein paar Brocken Russisch aus dem Sprachführer, und Sie können oft mehr Vertrauen gewinnen, als mit der blendenden Bilanz Ihrer Firma. Wenn Sie Russisch verstehen, bekommen Sie auch mit, über was sich russische Mitarbeiter in einem Betrieb unterhalten. Wichtige informelle Informationen können Ihnen bei offiziellen Verhandlungen nützlich sein. Ein wichtiger Bestandteil bei Geschäftsverhandlungen ist die Anrede. In Russland sprechen sich Geschäftspartner in der Regel mit „Sie“ und dem Vor- und Vatersnamen an. Nur Ausländer werden mit Herr (Gaspadin) oder Frau (Gaspazha) und dem Familiennamen angesprochen. Erkundigen Sie sich in der Vorbereitung auf Ihr Gespräch über die richtige Anrede Ihres russischen Gegenübers. Akademische Titel sind beim Ansprechen nicht verbreitet, „Herr Direktor“ aber üblich.

Zeitverständnis
Bei der Arbeit haben die Russen ein anderes Zeitverständnis als die Deutschen. Der Russe mag es überhaupt nicht, einen Termin mit genauer Stundenvorgabe einige Tage im Voraus zu planen, von Monatsplanung einmal ganz zu schweigen. Das Leben in Russland birgt sehr viel Unvorhersehbares, da können sich die Pläne schlagartig ändern. Und wenn Sie dies nicht im Hinterkopf behalten, kann es Ihnen gut passieren, dass zu dem Treffen, das Sie vor längerer Zeit vereinbart haben, der russische Partner nicht kommt, weil er es schlichtweg vergessen hat oder ihm andere Pläne dazwischen gekommen sind. Oft herrscht auch noch die verbreitete Meinung vor, dass ein Geschäftsmann in Russland alles im Kopf haben muss. Ein anderes Verständnis für die Arbeitszeit bringt der Russe auch mit: Man kann ohne Weiteres seinen Chef anrufen und mitteilen, dass man später kommt, weil man etwas Wichtiges oder Persönliches zu erledigen hat. Kaum ein russischer Arbeitnehmer wird sich aber daran stören, wenn sein Chef ihn bittet, noch Arbeit nach offiziellem Dienstschluss zu erledigen oder gar am Wochenende für ein wichtiges Projekt am Arbeitsplatz zu erscheinen.

Loyalität und Karriere
Schätzt der russische Mitarbeiter seinen Chef und liebt das Kollektiv, so ist er dem Unternehmen längst nicht so eng verbunden wie es Arbeitnehmer in Deutschland sind. Der aktuelle Arbeitsplatz ist eine Stufe auf der Karriereleiter. Karriere macht man in großen Konzernen, besonders in internationalen. Je besser ein Mitarbeiter qualifiziert ist, desto loyaler steht er zu seinem Betrieb. Er weiß, dass eine Zeile in seinem Lebenslauf über seine Tätigkeit bei einer großen deutschen Firma von großem Vorteil sein kann. Doch wenn er Fehler gemacht hat, wird sich das schnell herumsprechen. Denn alle großen westlichen Firmen sitzen in Moskau und die Spezialisten kennen sich untereinander. Je unqualifizierter ein Mitarbeiter ist, desto schneller kann es passieren, dass er plötzlich kündigt, weil er einen neuen Job gefunden hat, wo er etwas mehr Geld verdient.

 

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