18.04.2018
von Hans Gäng

Dr. Volker Treier: Deutsche Unternehmen schaffen im Ausland Jobs mit Zukunft

Das weltweite Netz von Deutschlands Auslandshandelskammern wächst: 142 Standorte in 92 Ländern und fast 50.000 Mitgliedsunternehmen weltweit. Allein 55 Länder werden auf der HANNOVER MESSE vertreten sein. Ein Gespräch über aktuelle Trends in der Exportwirtschaft mit Dr. Volker Treier, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer DIHK-International, AHK-Netzwerk. 

Immer neue Rekordzahlen im deutschen Export, aber handelspolitisch dunkle Wolken am Horizont. Wie ist denn die Stimmung bei den auslandsaktiven Unternehmen?

Dr Volker Treier, Außenwirtschaftschef DIHK

Dr Volker Treier, Außenwirtschaftschef DIHK

Der außenwirtschaftliche Erfolg Deutschlands ist kein Selbstläufer. Es zeigt sich, dass jetzt das Modell eines stark industriebezogenen Wachstums funktioniert und die deutschen Exporteure damit am weltwirtschaftlichen Aufschwung der letzten beiden Jahre partizipieren können. Gleichwohl nehmen tarifäre Handelshemmnisse seit einiger Zeit zu und nun sind auch tarifäre Beschränkungen in der Diskussion.

Es gibt ja nicht nur in den USA Kritiker des deutschen Überschusses in der Handelsbilanz…

Es ist wichtig, in den laufenden Gesprächen mit unseren Partnern einmal an ein paar Fakten zu erinnern. Es sind nur die USA, Frankreich und UK, bei denen wir einen gravierenden Überschuss verzeichnen. Bei den USA, einer stark durch Konsum geprägten Volkswirtschaft, sind das rund 50 Milliarden Dollar, die man auch einmal zu den 350 Milliarden Dollar Überschuss, die China erzielt, in Relation setzen muss.

Damit ist der deutsche Kapitalexport in die USA noch nicht berücksichtigt…

Nein, die deutschen Unternehmen haben allein in den USA Investitionen von rund 250 Milliarden Dollar getätigt. Auch wenn der Anteil, der in den Finanzsektor geflossen ist, sehr groß ist: Mit Direktinvestitionen in den industriellen Produktionsstandort USA haben Deutschlands Unternehmen 840.000 Jobs geschaffen. Das ist, wenn man auch noch an die Investitionen in der Berufsbildung denkt, ein Beitrag zu einer zukunftsfähigen industriellen und nachhaltigen Beschäftigung in den USA.

Sieht man diesen Beitrag denn dort nicht?

Viele unserer Gesprächspartner in den USA kennen den Zusammenhang. Gerade die HANNOVER MESSE 2018 wird aber auch zeigen, dass sehr viele Länder auf der Welt an den Investitionen der deutschen Industrie interessiert sind. Nehmen Sie das Partnerland Mexiko, das in kurzer Zeit von einem Entwicklungsland zu einem Industrieland geworden ist. Mit 12 Milliarden Dollar Direktinvestitionen haben deutsche Firmen in der Zwischenzeit 220.000 Arbeitsplätze geschaffen. Es sind globale Wertschöpfungsketten entstanden, für die wir Stabilität brauchen und Fragilität vermeiden müssen.

Stichwort Brexit: Welche Perspektiven sehen Sie hier für den Export?

Ich fürchte, leider, dass hier das Schlimmste noch bevorsteht. Nach dem Kaufkraftverlust der britischen Kunden gegenüber dem Euro schon seit 2016 ist Großbritannien vom dritten auf den fünften Rang bei den deutschen Handelspartnern abgerutscht. Natürlich bedeutet auch das angestrebte Freihandelsabkommen eine Belastung der Unternehmen. Fast jedes zwölfte in UK engagierte deutsche Unternehmen denkt über Produktionsverlagerungen nach, um den bevorstehenden Schaden zu minimieren.

Damit stellt sich die Frage nach neuen Märkten, die negative regionale Veränderungen kompensieren können.

Es gibt mannigfaltige Chancen auf der ganzen Welt. Diese wahrzunehmen, dazu ermutigen wir Deutschlands Unternehmen auch hier in Hannover. Zu nennen sind vor allem Asiens wirtschaftliche Integration und das CPTPP, bei dem die Handelsschranken über den Pazifik auch ohne die Beteiligung der USA fallen. Ein positives Zeichen, dass es auch anders geht. Zudem ist die EU  in positiven Diskussionen mit dem Mercosur, der seine Rolle in den globalen Wertschöpfungsketten stabilisieren will. Schließlich gibt es mit Afrika einen ganzen Kontinent unerschlossener Märkte.

Schaffen Mittelständler diese geographische Breite der Internationalisierung?

Unternehmen, die nicht über einen ganzen Stab von Volkswirten verfügen, haben sozusagen immer nur einen Schuss für einen neuen Markt frei. Nicht nur auf Chancen hinzuweisen, sondern auch die Risiken auf den Auslandsmärkten zu erkennen, zu benennen und zu minimieren – das ist darum eine der wichtigsten Aufgaben, denen wir uns mit der weltweiten Kammerorganisation stellen. Sie wächst synchron mit der deutschen Exportwirtschaft, muss aber auch Entwicklungen antizipieren. Dass wir das tun, sehen Sie an den jüngsten AHK-Standorten: Tansania, Sri Lanka, Kuba – aber eben auch San Francisco, dem globalen Hub der Digitalisierung.

Was bedeutet die HANNOVER MESSE für Sie?

Wir suchen hier den Dialog mit den Unternehmen und vernetzen sie ins Ausland. Darum sind wir hier mit einer Rekordzahl von Kammern präsent, entwickeln eigene Veranstaltungen, bringen Unternehmerdelegationen aus der ganzen Welt hierher und beraten Unternehmen auch persönlich. Für den DIHK und die Auslandshandelskammern ist die Messe zu einem unverzichtbaren Datum geworden.

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