22.10.2018
von Luca Wodtke

Winfried Kretschmann: Ein fruchtbarer Boden für Innovation

Ministerpräsident von Baden-Württemberg Winfried Kretschmann über die Herausforderung der “Disruption” in seinem Bundesland. Ein Interview für “New in BW“.

Wie kann sich Baden-Württemberg als führender europäischer Standort für die Mobilität behaupten?

Kretschmann: Die Automobilwirtschaft in Baden-Württemberg ist traditionell ein zentraler Pfeiler für unsere Wertschöpfung. Doch durch die Elektrifizierung, die Digitalisierung, das autonome Fahren und flexible Nutzungskonzepte wird das Auto gerade neu erfunden. Für uns steht dabei viel auf dem Spiel: unsere technologische Vorreiterrolle, unsere Wirtschaftskraft, unsere Arbeitsplätze und der Klimaschutz. Um diesen Herausforderungen geschlossen entgegenzutreten, hat die Landesregierung den Strategiedialog Automobilwirtschaft Baden-Württemberg angestoßen. Denn nur im engen Schulterschluss von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Arbeitnehmerverbänden, Verbraucherorganisationen, Umweltverbänden und Zivilgesellschaft können wir uns den Anforderungen an die neue Mobilität erfolgreich stellen.

 

Welche Rolle kommt dabei dem Netzwerk der Hochschulen Forschungseinrichtungen im Land zu?

Kretschmann: Die besondere Stärke Baden-Württembergs findet sich in unserer Fläche: Wir haben eine dezentrale Hochschullandschaft und eine dezentrale Wirtschaftsstruktur. Diese verteilte Exzellenz gibt immer wieder neue Anstöße im ganzen Land, nicht nur in den Ballungszentren. Wir haben eine so vielfältige Hochschullandschaft wie kein anderes Land. So bringt die Wissenschaft ihre innovativen Impulse ständig vor Ort ein – um überall die Entwicklungen und Veränderungen auszulösen, die unsere Wirtschaft braucht, um – 2 – weiterhin erfolgreich zu sein. Und unsere Forschungseinrichtungen haben einen starken Fokus auf die Bereiche, die bei der Mobilität der Zukunft ganz wesentliche Rollen spielen: Etwa bei der künstlichen Intelligenz, in den Quantentechnologien und der Energieforschung.

 

Wie willkommen sind dabei junge Forscher und Start-ups aus der ganzen Welt?

Kretschmann: Hoch willkommen natürlich! Entscheidend ist ja nicht, wo jemand herkommt, sondern was sie oder er erreichen will. Disruptive Technologien sind ein Schlüssel für die Wettbewerbsfähigkeit. Deshalb fördern unsere Hochschulen die Gründerkultur schon in Studium und Lehre. Der Transfer von umwälzenden Erkenntnissen erfolgt ja nicht nur durch Kooperation von Forschung und Wirtschaft – sondern auch, indem die Wissenschaftler ihre Ideen in eigene Unternehmungen einbringen. Wir tun darum viel, um ein positives Gründungsklima zu schaffen, etwa mit dem Forschungscampus „ARENA2036“, seinem Acclerator-Programm „Startup Autobahn“ oder dem „Cyber Valley“. Im Rahmen der Gründungsoffensive Start-up BW sorgen landesweit sieben weitere Start-up BW Acceleratoren und zehn Ökosystemen dafür, dass innovative Ideen hierzulande auf fruchtbaren Boden fallen.

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