09.03.2017
von Hans Gäng

Prof. Juraj Sinay: “Praxisorientierte Ausbildung sichert Zukunft”

Prof. Juraj Sinay ist der Präsident des slowakischen Automobilverbands ZAPSR und Rektor der Technischen Universität in Košice. Auf der edubiz-Konferenz plädierte er für eine duale Ausbildung in ganz Europa.

 

Welche Rolle spielt die berufliche Bildung für die zukünftige Entwicklung der slowakischen Automobilindustrie?

Meiner Meinung nach spielt die berufliche Bildung eine strategische Rolle. Die hohe Anzahl an Automobilherstellern und Zulieferern hat bereits einen Mangel an Arbeitskräften und vor allem an Fachkräften zur Folge. Es ist unentbehrlich für den Staat, sich mehr der beruflichen Ausbildung der Jugend zu widmen. Ohne die Bildung der nächsten Generationen besteht keine Chance für den weiteren Erfolg des Automobilsektors in der Slowakei. Die Automobilindustrie unterstützte die Einführung der dualen beruflichen Bildung, da wir sehr an einer solchen Bildungsform interessiert sind. Leider hat die Praxis gezeigt, dass es noch viele Schwachstellen gibt.

Stichwort “Industrie 4.0” – Wie wichtig ist die Digitalisierung für die Automobilindustrie und wie wird die Ausbildung dadurch beeinflusst?

Industrie 4.0, die Digitalisierung, das “Internet der Dinge” ist schon lange ein fester Bestandteil der Automobilindustrie. Angefangen bei der Materialplanung, bis hin zur Herstellung, sowie die Rückkopplung und Reparatur der Autos. Wir haben zwar schon spezielle Ausbildungsberufe eingeführt, wie Mechatronik, wobei IT und Maschinenbau verbunden werden. Aber die Ausbildung wird noch intensiver in Richtung der IT-Anwendungen gehen. Trotzdem darf nicht außer Acht gelassen werden, dass der Herstellungsprozess immer ein klassischer Vorgang ist. Metalle sollen verarbeitet werden, Montagen werden durchgeführt, Karosserien müssen lackiert werden.

Wie ist Ihre Meinung zu grenzüberschreitenden Austauschprogrammen wie Erasmus+?

Schade ist, dass nur einer begrenzten Anzahl an Studierenden die Möglichkeit eines Austausches geboten wird. An großen Universitäten, mit z.B. 10 000 Studenten, können aus finanziellen Aspekten nur rund 100 an Programmen wie Erasmus+ teilnehmen. Das ist sehr wenig. Ich plädiere dafür, dass solche Austauschprogramme auf multilateraler Ebene entwickelt und verbessert werden. Die Möglichkeit für Studenten, ein paar Monate oder ein Semester im Ausland Erfahrungen zu sammeln, ist von enormem Vorteil für ihre Zukunft.

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